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Chinesische Delegation besichtigt Wertheimer Pflegeschule

Wertheim I 20.11.2018

Die Wertheimer Gesundheits- und Krankenpflegeschule hatte vergangene Woche weitgereisten Besuch. Eine Delegation von sieben Personen des Kultur- und Ausbildungsamts der chinesischen Provinz Shandong informierte sich über die Pflegeausbildung in Deutschland. Die Stippvisite war vom gemeinnützigen Verein DCN Kulturaustausch & Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen e.V. mit Sitz in Aschaffenburg organisiert worden.

Besonders interessiert zeigten sich die Besucher an den Zugangsvoraussetzungen sowie an den Zukunftsperspektiven, die der Pflegeberuf den deutschen Absolventen eröffnet. Neben Fragen zu den Strukturen der theoretischen und praktischen Ausbildung war die chinesische Delegation an der Gewichtung und dem Verhältnis zwischen Medizin und Pflege interessiert. Schulleiterin Zipf wies dabei lächelnd auf die Größe ihres Büros hin: „Mein Büro ist dreimal so groß wie das der Chefärzte der Rotkreuzklinik Wertheim." Delegationsleiter Wang Pinmu zeigte sich sehr beeindruckt vom deutschen Ausbildungssystem und dem Qualifikationsniveau, sowie den Räumlichkeiten und der Ausstattung der Schule. Jiayu Lin, Mitarbeiterin des gemeinnützigen Vereins DCN Kulturaustausch & Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen e.V., sieht einer weiteren Zusammenarbeit mit Freude entgegen. Auch Zipf kann sich eine Kooperation gut vorstellen. „Vielleicht ist langfristig sogar ein Schüleraustausch mit China möglich", stellt die Schulleitung in den Raum.

Die Pflegeausbildung in China umfasst vielschichtige Programme. Abhängig von den verschiedenen Ausbildungszielen werden die Programme in vier Typen unterteilt: Programme für diplomiertes Pflegepersonal, Programme für den Associate Degree, Bachelorprogramme und Programme für Aufbaustudien mit Masterabschluss. Einige Programme spezialisieren sich auf bestimmte Bereiche wie Geburtshilfe oder auch Hauskrankenpflege. Im Lehrplan ist ebenfalls intensiver Englischunterricht vorgesehen, um die Studierenden auf Austauschprogramme oder generell Arbeitsaufenthalte im Ausland vorzubereiten. Die Zugangsvoraussetzung zum Studium ist ein Highschool-Abschluss, vergleichbar mit dem deutschen Abitur. Das chinesische System sieht zusätzlich eine Art Helferausbildung vor, die mit einem Mittelschulabschluss erworben werden kann.

Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in China lediglich in ländlichen Gebieten ein Pflegenotstand. China verzeichnet in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Boom bei den Pflegeberufen. Die Kliniken in großen Städten können sich vor Bewerbern kaum retten. Nach Aussagen der Delegation läge das an den deutlich höheren Gehältern, die in den Städten bezahlt werden und dem damit verbundenen höheren Sozialprestige. In China ziehen junge examinierte Pflegefachkräfte offensichtlich häufig das Leben in einer Großstadt dem auf dem Lande vor.